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PIM Wissen

Was ist PIM? Produktinformationsmanagement einfach erklärt

Fabian Keßler
Fabian Keßler
7 Min. Lesezeit

Product Information Management – kurz PIM – ist für viele Unternehmen noch ein Fremdwort. Dabei ist es eines der wichtigsten Werkzeuge für den modernen Handel. In diesem Beitrag erklären wir verständlich, was ein PIM-System ist, welche Probleme es löst, und wann sich die Investition lohnt.

Was bedeutet PIM? Eine klare Definition

PIM steht für Product Information Management – auf Deutsch: Produktinformationsmanagement. Ein PIM-System ist eine zentrale Software-Plattform, in der alle produktbezogenen Informationen gespeichert, gepflegt und für verschiedene Ausgabekanäle aufbereitet werden.

Stellen Sie sich das PIM als „Single Source of Truth“ für Ihre Produktdaten vor: Ein Ort, an dem alle Informationen zusammenlaufen – Beschreibungen, technische Daten, Bilder, Videos, Dokumente, Übersetzungen, Kategorien und Beziehungen zwischen Produkten. Von hier aus werden die Daten an alle Kanäle verteilt: Webshop, Marktplätze, Print-Kataloge, mobile Apps und mehr.

Der entscheidende Unterschied zu einer Excel-Tabelle oder einem ERP-System: Ein PIM ist speziell für die Verwaltung und Verteilung von Produktinformationen gebaut. Es versteht, dass ein Produkt je nach Kanal unterschiedliche Daten braucht, dass Beschreibungen in mehreren Sprachen vorliegen müssen und dass Datenqualität messbar sein muss.

Welche Daten verwaltet ein PIM-System?

Ein PIM-System verwaltet alle Informationen, die ein Produkt beschreiben. Das umfasst weit mehr als die meisten Unternehmen zunächst denken:

Grunddaten: Produktname, Artikelnummer, EAN/GTIN, Marke, Hersteller, Warengruppe, Kategoriezuordnung.

Beschreibende Texte: Kurzbeschreibung, Langbeschreibung, Marketingtexte, SEO-Titel und Meta-Descriptions, Bullet Points für Marktplätze.

Technische Daten: Abmessungen, Gewicht, Material, Farbe, Kapazität, Leistung, Normen und Zertifizierungen.

Medien: Produktbilder (verschiedene Ansichten und Auflösungen), Videos, 3D-Modelle, Datenblätter (PDF), Anleitungen, Sicherheitsdatenblätter.

Beziehungen: Cross-Selling-Produkte („Kunden kauften auch“), Up-Selling-Produkte, Zubehör, Ersatzteile, Varianten (Größe, Farbe).

Kanalspezifische Daten: Marktplatz-Kategorien (Amazon, eBay), plattformspezifische Attribute, kanalspezifische Preise und Beschreibungen.

Übersetzungen: Alle textlichen Informationen in jeder benötigten Sprache – inklusive länderspezifischer Anpassungen (Schweizer Deutsch vs. Deutsch, brasilianisches Portugiesisch vs. europäisches Portugiesisch).

Bei einem typischen Produkt kommen schnell 50–200 einzelne Datenpunkte zusammen. Multiplizieren Sie das mit tausenden Produkten und mehreren Sprachen – und Sie verstehen, warum Excel irgendwann nicht mehr reicht.

Die sechs Kernfunktionen eines PIM-Systems

Jedes professionelle PIM-System bietet sechs Kernfunktionen, die es von einfachen Datenbanken oder Tabellen unterscheiden:

1. Zentralisierung: Alle Produktdaten an einem Ort. Schluss mit verteilten Excel-Listen, E-Mail-Anhängen und geteilten Laufwerken. Jeder im Team arbeitet mit denselben, aktuellen Daten.

2. Datenqualitätsmanagement: Das PIM prüft automatisch die Vollständigkeit und Konsistenz Ihrer Daten. Fehlt ein Bild? Ist die Beschreibung zu kurz? Fehlt die französische Übersetzung? Das Dashboard zeigt es sofort – mit konkreten Handlungsempfehlungen.

3. Multichannel-Distribution: Jeder Vertriebskanal hat eigene Anforderungen. Amazon braucht andere Attribute als Ihr Webshop, der Print-Katalog andere Bildformate als die mobile App. Das PIM ermöglicht es, für jeden Kanal spezifische Datenansichten und Export-Profile zu definieren.

4. Workflow-Management: Wer darf welche Daten bearbeiten? Wer gibt frei? In welcher Reihenfolge? Ein PIM bildet Ihre internen Prozesse ab – von der Produktanlage über die Anreicherung bis zur Freigabe für den Kanal.

5. Mehrsprachigkeit: Echte Mehrsprachigkeit bedeutet mehr als ein Textfeld pro Sprache. Ein PIM verwaltet Übersetzungs-Workflows, trackt den Übersetzungsstatus pro Produkt und Sprache und ermöglicht die Integration von Übersetzungsdiensten wie DeepL.

6. Integration: Ein PIM steht nie allein. Es integriert sich mit ERP-Systemen (als Datenquelle für Stammdaten), Webshops (als Ziel für Produktdaten), DAM-Systemen (für Medien), Marktplätzen und weiteren Systemen. Die API ist das Herzstück moderner PIM-Systeme.

Welche Probleme löst ein PIM-System?

Die meisten Unternehmen kommen zum PIM, weil sie konkrete Schmerzpunkte haben. Hier die häufigsten:

„Unsere Produktdaten sind überall verstreut.“ Excel-Listen auf Netzlaufwerken, Bilder in Dropbox, technische Daten im ERP, Beschreibungen in Google Docs. Niemand weiß, welche Version aktuell ist. Das PIM zentralisiert alles an einem Ort.

„Neue Produkte brauchen ewig bis zum Shop.“ Die Time-to-Market liegt bei Wochen statt Tagen. Daten müssen manuell von einem System ins nächste kopiert werden. Das PIM automatisiert den Fluss vom Anlegen bis zur Veröffentlichung.

„Unsere Datenqualität ist katastrophal.“ Fehlende Bilder, abgeschnittene Beschreibungen, falsche technische Daten, inkonsistente Einheiten. Das PIM erzwingt Qualitätsstandards durch Validierungsregeln und Vollständigkeitsprüfungen.

„Wir verkaufen über mehrere Kanäle, aber die Daten sind überall unterschiedlich.“ Der Shop zeigt andere Informationen als der Marktplatz. Der Katalog hat veraltete Preise. Das PIM stellt sicher, dass alle Kanäle konsistente, aktuelle Daten erhalten.

„Internationalisierung kostet uns zu viel Zeit.“ Jede neue Sprache bedeutet manuelles Kopieren, Übersetzen und Einpflegen. Das PIM strukturiert den Übersetzungsprozess und macht den Status transparent.

„Wir verlieren den Überblick.“ Bei 5.000+ Produkten mit je 100 Attributen in 3 Sprachen verwalten Sie 1,5 Millionen Datenpunkte. Ohne PIM ist das nicht beherrschbar.

Wann braucht Ihr Unternehmen ein PIM-System?

Nicht jedes Unternehmen braucht ein PIM – aber mehr als die meisten denken. Als Faustregel: Wenn Sie mehr als zwei der folgenden Punkte mit „Ja“ beantworten, sollten Sie sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen:

  • Sie verwalten mehr als 500 Produkte (SKUs)
  • Sie verkaufen über mehr als einen Kanal (eigener Shop + Marktplatz)
  • Mehr als eine Person pflegt regelmäßig Produktdaten
  • Sie benötigen Produktdaten in mehr als einer Sprache
  • Ihre Produktdaten haben mehr als 30 Attribute pro Produkt
  • Die Datenpflege nimmt mehrere Stunden pro Woche in Anspruch
  • Sie haben Qualitätsprobleme (Retouren wegen falscher Produktbeschreibungen)

Unser PIM-Quiz gibt Ihnen in zwei Minuten eine individuelle Einschätzung, ob sich ein PIM-System für Ihr Unternehmen lohnt.

PIM-Systeme im Überblick: Die wichtigsten Anbieter

Der PIM-Markt ist vielfältig. Hier die für den deutschsprachigen Raum relevantesten Lösungen:

Akeneo – Der Open-Source-Marktführer. Gibt es als kostenlose Community Edition (CE) und als Enterprise Edition (EE). Stärken: Benutzerfreundlichkeit, starke API, großes Ökosystem. Ideal für den Mittelstand. Netzspitze bietet umfangreiche Plugins und Beratung für beide Editionen.

Viamedici EPIM – Deutsche Enterprise-Lösung mit Fokus auf SAP-Integration und komplexe Datenmodelle. Stärken: Tiefe SAP-Integration, flexible Datenmodellierung, DACH-Support. Ideal für SAP-Bestandskunden. Wir unterstützen bei der Implementierung und Optimierung.

Pimcore – Open-Source-Plattform, die PIM, DAM, CMS und E-Commerce vereint. Stärken: Flexibilität, All-in-One-Ansatz. Herausforderung: Hohe Komplexität, steile Lernkurve.

Contentserv – Schweizer Enterprise-Lösung mit Fokus auf Omnichannel-Publishing. Stärken: Starke Publishing-Workflows, gute Print-Integration. Positioniert sich als „Product Experience Platform“.

Salsify / Syndigo – US-amerikanische Cloud-Plattformen mit Fokus auf Marktplatz-Anbindung und Digital Shelf Analytics. Stärken: Große Marktplatz-Netzwerke. Herausforderung: Datenhaltung oft in den USA (DSGVO-Thema).

PIM vs. andere Systeme: Die wichtigsten Abgrenzungen

PIM wird oft mit verwandten Systemen verwechselt oder gleichgesetzt. Die wichtigsten Unterschiede:

PIM vs. ERP: Das ERP verwaltet kaufmännische Daten (Preise, Bestände, Aufträge). Das PIM verwaltet beschreibende Daten (Texte, Bilder, Attribute). Beide Systeme ergänzen sich – keines ersetzt das andere. Mehr dazu in unserem Beitrag PIM vs. ERP.

PIM vs. DAM: Ein Digital Asset Management System (DAM) verwaltet Mediendateien (Bilder, Videos, Dokumente). Ein PIM verwaltet strukturierte Produktdaten. Viele PIM-Systeme haben eine eingebaute Medienverwaltung, die für einfache Anforderungen ausreicht. Für komplexe Medien-Workflows (automatische Bildbearbeitung, Rechtemanagement, Brand Portals) empfiehlt sich ein dediziertes DAM wie CELUM oder Bynder.

PIM vs. MDM: Master Data Management (MDM) verwaltet alle Stammdaten eines Unternehmens – Kunden, Lieferanten, Standorte UND Produkte. PIM ist ein spezialisierter Teil des MDM-Universums, der sich ausschließlich auf Produktdaten konzentriert. Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist ein dediziertes PIM die bessere Wahl als eine große MDM-Suite.

PIM vs. CMS: Ein Content Management System (CMS) verwaltet Website-Inhalte (Seiten, Blog, News). Ein PIM verwaltet strukturierte Produktdaten. Beide arbeiten zusammen: Das CMS stellt die Shopseiten bereit, das PIM liefert die Produktinhalte.

Der ROI eines PIM-Systems: Lohnt sich die Investition?

Die Investition in ein PIM-System rechnet sich über mehrere Hebel:

  • Zeitersparnis: 40–70 % weniger manueller Aufwand bei der Produktdatenpflege
  • Schnellere Time-to-Market: Neue Produkte in Tagen statt Wochen im Shop
  • Weniger Retouren: Vollständige, korrekte Produktdaten senken die Retourenquote um 20–30 %
  • Höhere Conversion: Bessere Produktbeschreibungen und Bilder steigern die Conversion Rate
  • Skalierbarkeit: Produktanzahl verdoppeln ohne Personalaufbau

Die konkreten Kosten und den zu erwartenden ROI haben wir in unserem Beitrag PIM Kosten 2026 detailliert aufgeschlüsselt.

Fazit: PIM ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit

Produktdaten sind das Fundament des digitalen Handels. Ohne verlässliche, vollständige und konsistente Produktinformationen funktioniert kein Webshop, kein Marktplatz und kein Katalog. Ein PIM-System stellt sicher, dass dieses Fundament stabil ist.

Für kleine Shops mit 50 Produkten und einem Kanal mag eine Excel-Tabelle noch ausreichen. Aber sobald die Komplexität wächst – mehr Produkte, mehr Kanäle, mehr Sprachen, mehr Beteiligte – wird ein PIM-System nicht nur sinnvoll, sondern notwendig.

Sie möchten mehr erfahren? Starten Sie mit unserem PIM-Quiz für eine individuelle Einschätzung, oder kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstberatung.

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